Mythen über Covid-19 und was die EU dagegen unternimmt

Die Corona-Pandemie führt auch weiterhin zu einer Flut an Fehlinformationen: Covid-19 kann durch Einnahme von Reinigungsmitteln für Aquarien geheilt werden, das Coronavirus wurde in chinesischen (oder amerikanischen oder französischen) Labors entwickelt, ist aber auch eine von der Nato entwickelte biologische Waffe, mit der der Westen Krieg gegen andere Staaten führt und wird zudem das Ende des Schengen-Raums bedeuten. Hinzu kommen offenbar gezielte staatliche Desinformations-Kampagnen im Internet, erfundene Infektionsfälle und andere Unwahrheiten, die als Insider-Informationen getarnt sind.

Warum verbreiten sich Fehlinformationen? Wie kann man sie erkennen? Wie wird die EU aktiv?

1. Was sind „Fake News“? Wie lässt sich der Begriff „Fake News“ definieren?

„Fake News“ bedeutet wörtlich übersetzt „gefälschte Nachrichten“. Nach strenger Definition beschreibt der Begriff Informationen in Form von Bildern, Videos oder Texten, die nicht der Wahrheit entsprechen und bewusst täuschen sollen.

Die irreführenden Informationen werden oftmals über elektronische Kanäle, wie beispielsweise über soziale Netzwerke, verbreitet und ähneln in ihrem Aufbau gewöhnlichen Nachrichtenbeiträgen.

Da bei vielen undurchsichtigen Behauptungen im Internet nicht nachvollziehbar ist, ob sie absichtlich oder versehentlich verbreitet oder womöglich von einer Person in die Welt gesetzt wurden, die wirklich davon überzeugt ist, handelt es sich bei „Fake news“ insbesondere im Zusammenhang mit COVID-19 um einen sehr unpräzisen Begriff, weshalb des Weiteren die Rede von Desinformationen oder schlicht Falschnachrichten sein wird.

2. Welche Arten von Desinformationen gilt es zu unterscheiden?

Aktuell lassen sich drei Arten unterscheiden:
a) Zum einen gibt es die große Verschwörungstheorien,etwa, dass die Chinesen, die Juden oder die Amerikaner das Virus in die Welt gesetzt haben, oder dass die deutsche Regierung schon 2012 von dem Virus gewusst hätten. Andererseits werden
b) bewusste falsche Behauptungen verbreitet, in denen es beispielsweise heißt, dass einige Prominente an COVID-19 erkrankt seien. Meldungen, die die Absender als lustig empfinden und aus Jux und Tollerei in Umlauf bringen. Hinzukommen
c) wilde Spekulationen und Meinungen, wie zum Beispiel, dass BürgerInnen enteignet werden und fragwürdige Tipps zum gesund bleiben.

Nicht außer Acht gelassen werden darf, dass all diesen falschen Informationen manchmal ein wahrer Kern zu Grunde liegt, der aber mit Desinformationen ergänzt wird und somit oftmals als solche nicht mehr länger erkennbar ist.

3. Warum verbreiten sich Falschinformationen über Covid-19 besonders schnell?

„Fake News“ sind keine Neuheit, verbreiten sich aber besonders schnell, wenn sie Covid-19 thematisieren. Gefahren benennen und einschätzen zu können ist, anders als die Überprüfung von Informationen vor der Weitergabe, ein menschliches Grundbedürfnis. Ein Virus, über das so wenig bekannt ist, das sich aber drastisch auf das alltägliche Leben auswirkt, stellt uns in dieser Hinsicht vor eine große Aufgabe. Die Ungewissheit in Kombination mit der Tatsache, dass viele Menschen aufgrund der derzeitigen Situation deutlich mehr Zeit im Internet verbringen und auf neue Informationen und Erklärungen warten, ermöglicht eine fast verzögerungsfreie Verbreitung über beispielsweise soziale Netzwerke.

4. Wer verbreitet Falschinformationen und warum?

Während der Corona Pandemie kann die Weitergabe von Informationen sich wie eine Art Unterstützung für Familie und Freunde anfühlen, weshalb viele Menschen die Richtigkeit von Nachrichten, die sie weitergeben nicht prüfen und somit Desinformationen ohne böswillige Absichten verbreiten.

Wiederum andere, bringen bewusst Unwahrheiten in Umlauf und profitieren vom Verkauf und der Bewerbung von wirkungslosen Produkten gegen das Coronavirus.

Andere Akteure verfolgen politische Interessen. Laut einem am 01. April veröffentlichten Dokument von der Abteilung für strategische Kommunikation und Informationsanalyse des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD)  setzen beispielsweise Russland und China weiterhin eine Desinformationskampange ein in der staatliche als auch staatlich unterstützte Akteure versuchen, den Ausbruch des Coronavirus auszunutzen, um geopolitische Interessen voranzutreiben.

Eine solche Kampagne, in der die Glaubwürdigkeit der Europäischen Union und ihrer Partner versucht wird zu untergraben, kann eine Gefahr für eine effektive Krisenkommunikation und die öffentliche Gesundheit darstellen. So sind Behauptungen, dass der Ausbruch des Coronavirus zum Zerfall der EU führt, in den sozialen Medien im Trend. Ebenso erhalten Verschwörungsberichte mit COVID-19-bezogenen Inhalten, die von der russischen Regierung finanzierten RT und Sputnik veröffentlicht wurden, wie beispielsweise der Artikel „Das Virus wurde von Menschen gemacht” deutlich mehr Aufmerksamkeit in den sozialen Medien als andere Nachrichten.

Der Bericht des speziellen EU-Teams zur Bekämpfung von Desinformation besagt zudem, dass kremlfreundliche Medien eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Desinformationen über das Coronavirus gespielt haben, um die Krise der öffentlichen Gesundheit in westlichen Ländern zu verschärfen, insbesondere durch Untergrabung öffentliches Vertrauen in die nationalen Gesundheitssysteme.  So wurden seit dem 22. Januar mehr als 150 Fälle von kremlfreundlicher Desinformation zu COVID-19 registriert.

Diese Desinformationen sollen sowohl in der EU als auch in  anderen Teilen der Welt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fähigkeit der demokratischen Institutionen, effektiv auf die Krise zu reagieren, untergraben und den Finger auf gefährdete Minderheiten richten und sie für die Pandemie verantwortlich machen.

5. Wie gefährlich sind Falschinformationen über Covid-19?

Desinformationen können in der aktuellen Situation, in der viele Menschen unsicher und besorgt sind und große Ungewissheit verspüren tatsächlich gefährlich sein: Sie lösen Panik aus, ziehen falsches Verhalten nach sich oder vermitteln ein falsches Gefühl von Sicherheit.

Es lassen sich insbesondere drei Problemfelder ausmachen:

  • Als erstes lassen sich obskure Gesundheitstipps anführen. Knoblauch, Ingwer und ausreichend Wasser werden als sicheres Mittel gegen die Ansteckung genannt. Ob man bereits erkrankt ist, lässt sich herausfinden, wenn man 10 Sekunden die Luft anhält – muss man nicht husten, hat man kein Coronavirus. Derartige falsche Informationen können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Personen, die ihnen Glauben schenken ihren Gesundheitszustand falsch einschätzen.
  • Darüberhinaus werden viele Desinformationen mit angeblich offiziellen Instanzen als Beleg veröffentlicht. Durch die Angabe von vermeintlichen Universitäten oder Behörden, gibt es für den Empfänger oftmals keinen erkennbaren Unterschied zwischen einem Expertenbericht und der Mutmaßung eines Nicht-Experten. Das kann auch perspektivisch zum Problem werden, wenn von den entsprechenden Institutionen tatsächlich wertvolles Fachwissen vorgelegt wird, dass Vertrauen in sie aber bereits unverschuldet durch Falschinformationen gemindert wurde.
  • Hinzukommen politisch motivierte Desinformationen, welche beispielsweise darüber informieren, dass sich die schnelle Verbreitung des Virus auf damit infizierte Flüchtlinge zurückführen lässt

6. Wie erkenne ich Falschinformationen und was kann ich tun um ihre Verbreitung zu verhindern?

Eine falsche Meldung als solche zu enttarnen, ist oftmals gar nicht so leicht. Ein einfache Prüfung ist es, das Internet zu diesem Thema zu durchsuchen. Ein ebenso einfacher Leitfaden: Nichts teilen, was man nicht vorher noch einmal überprüft hat. Initiativen die sich das Entlarven von Falschinformationen zum Ziel gemacht haben, wie Mimikama oder Faktencheck bieten zu vielen Falschmeldungen, die zurzeit kursieren eine Richtigstellung. Auch auf der Internetseite der Europäischen Kommission ist ein Faktencheck zu finden, der darüber aufklärt, was stimmt, und was nicht.

Zudem ist es ratsam sich an die Empfehlungen zu halten, die auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit sowie auf den Websites zuständiger internationaler und europäischer Organisationen wie zu Beispiel  ECDC und WHO veröffentlicht werden.

7. Wie sollte ich reagieren, wenn ich mitbekomme, dass jemand Falschinformationen verbreitet?

Hat man die Nachricht dem oben genannten Faktencheck unterzogen und auf eine Richtigstellung gestoßen, kann diese geteilt werden. Da viele Social-Media-Plattformen bewusst gegen Falschinformationen, insbesondere zum Thema Covid-19, vorgehen, besteht zudem die Möglichkeit entsprechende Nachrichten und Beiträge auf der jeweiligen Internetseite zu melden, sodass sie entfernt werden können.

Zudem sollte man vermeiden den Absender oder die Absenderin bloßzustellen, da viele Unwahrheiten unbeabsichtigt in Umlauf gebracht werden. Verständnis, Empathie und ein freundlicher Hinweis darauf, wie sich das Verbreiten von Desinformationen vermeiden lässt, sind weitaus wirkungsvoller.

8. Passiert auch etwas auf europäischer Ebene?

Einen Überblick über kursierende Desinformationen bietet die Internetseite EUvsDisinfo. Die Webseite gehört darüberhinaus  zu einer Kampagne, die darauf abzielt, kremlfreundliche Fehlinformationen besser vorherzusagen, ihnen entgegenzuwirken und Antworten auf sie zu finden, um Russlands laufenden Desinformationskampagnen entgegenzuwirken.

Die Website der Europäischen Kommission ist ebenfalls eine zuverlässige Quelle für Reaktionen und Auskünfte Europas auf Covid-19.

Zudem werden Bemühungen angestellt, um VerbraucherInnen auf online Plattformen vor illegalen Praktiken zu schützen. Ratschläge und Tipps für VerbraucherInnen sind hier zusammengefasst.

9. Weitere Infos zum Thema

Mehr Informationen zum Thema Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geben zwei Podcasts der Bundeszentrale für politische Bildung:

Folge 1: Ein Virus, viele Theorien: https://www.bpb.de/mediathek/306998/folge-1-ein-virus-viele-theorien

Folge 2: Der Mensch und das Netz: https://www.bpb.de/mediathek/306997/folge-2-der-mensch-und-das-netz

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